Die Kunst der Meditation: Klaren Fokus durch Defokussierung meistern

Der Begriff „Meditation“ weckt bei jedem unterschiedliche Vorstellungen und Erwartungen. Für den einen ist sie im orange gekleideten buddhistischen Mönch versinnbildlicht, der schweigend im Lotussitz sitzt und mit seinem Zeigefinger und Daumen das berühmte Dhyana Mudra formt. Manch anderer denkt dabei an den gutturalen Om-Gesang, dessen Monotonie und Bordunhaftigkeit den Verstand in Slow Motion versetzt. Wieder ein anderer erinnert sich an das Gefühl einer angenehmen Ruhe, die sich im ganzen Körper ausbreitet, wenn der Alltag im Moment keine Rolle mehr spielt.

Meditation scheint den Menschen schon immer begleitet zu haben (Roche 2011). Sie ist wesentlicher Bestandteil vieler Kulturen und Religionen. Anfänglich vorrangig als spirituelle Praxis zur Erleuchtung und Erkenntnis gedacht, wird ihr Wert heute auch im Bereich der Psychologie, Ethik, Soziologie und Medizin geschätzt (Renger & Wulf 2013).

Der Begriff und seine Bedeutung

Wer nach dem Ursprung des Wortes „Meditation“ sucht, wird u.a. in der lateinischen Sprache fündig. Der Adjektiv meditatus, welcher sich mit „auf etwas eingeübt sein“ übersetzen lässt oder das Verb meditor, das für „ergründen“, „sich auf etwas gefasst machen“ steht, weisen bereits treffend auf den Kontext hin, in dem sich Meditation erfahrungstechnisch bewegt. Yates (2017) umschreibt sie im Handbuch Meditation als die „Kunst voll bewusst zu leben“, als einen systematischen Prozess zur Schulung des Geistes, mit dessen Hilfe die persönliche Realität absichtsvoll und zielbewusst erschaffen werden kann. Die Geisteszustände, wie körperliches Wohlbehagen, Genuss, Freude, Glücksgefühle, tiefe Zufriedenheit oder innerer Frieden, welche sich bei konsequenter Meditationspraxis einstellen, erlauben es dem Meditierenden die Illusion des Getrenntseins zu transzendieren und zu der fundamentalen Erkenntnis zu gelangen, dass alles miteinander verbunden ist (ebd.).

Treffen Sie Ihre Wahl

Es gibt unterschiedlichste Techniken des körperlich passiven bzw. kontemplativen als auch des körperlich aktiven Meditierens. Für welche Form man sich auch immer entscheidet, obliegt den eigenen Vorlieben. Im Folgenden wird eine im Ablauf einfache und dennoch sehr effektive Atemmeditation vorgestellt. Sie sollte nicht länger als 15 bis 20 Minuten pro Tag in Anspruch nehmen, da der Verstand von Natur aus darauf ausgelegt ist sich auf etwas Konkretes zu konzentrieren und nicht zu defokussieren, was aber während der Meditation geschieht (Abraham-Hicks 2014). Die Aufgabe des Meditierenden besteht nun darin, seinen Geist zur Ruhe zu bringen und den Gedankenfluss zu stoppen (ebd.).

Anleitung zur Atemmeditation

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Die Meditation hinterlässt nicht nur ein Gefühl der Leichtigkeit des Seins, sondern generiert auch einen für Ideen und Impulse empfänglichen Geisteszustand (Abraham-Hicks 2014).

So viele Vorteile

Hunderte von Studien wurden bereits zu den Effekten von Meditation in den unterschiedlichsten Wissenschaftsbereichen durchgeführt. Dr. Emma Seppälä (2013) hat einige von ihnen thematisch in ihrem Artikel „20 scientific reasons to start meditating today“ („20 wissenschaftliche Gründe, um heute mit dem Meditieren anzufangen“) zusammengetragen. Wer sich detaillierter in die Materie einlesen möchte, sei auf die Links in ihrem Beitrag verwiesen.

Zum einen wirkt sich systematische Meditation positiv auf die körperliche Gesundheit aus: sie stärkt das Immunsystem, fungiert als schmerzstillendes Mittel und unterstützt die Heilung auf zellularer Ebene. Ferner lässt sie die graue Substanz im Gehirn wachsen; vergrößert das Volumen der Gehirnareale, die für Gefühlssteuerung, positive Emotionen und Selbstbeherrschung zuständig sind, und steigert die Dicke der Großhirnrinde in den für die Aufmerksamkeitsausrichtung verantwortlichen Bereichen (ebd.).

Die Psyche profitiert hingegen von einem signifikanten Anstieg an Glücksgefühlen in Form von positiven Emotionen, besserer Laune, mehr Vertrauen und Selbstbewusstsein sowie häufigeren Entspannungszuständen. Neben der gesteigerten Fähigkeit zur Innenschau, kommt es ebenso zur Schärfung des Fokus und der Aufmerksamkeit, einer Optimierung des Erinnerungsvermögens wie auch zum stärkeren Einsatz von Kreativität und unkonventionellem Denken (ebd.).

Soziologisch gesehen, intensiviert Meditation soziale Bindungen und emotionale Intelligenz. Sie steigert das Mitgefühl und erzeugt die Empfindung von Zugehörigkeit (ebd.).

Fazit

Meditation ist ein mächtiges Werkzeug, das nur darauf wartet von uns eingesetzt zu werden. Nur wer sie regelmäßig ausübt, kann ihre mannigfaltigen und weitreichenden Auswirkungen in sämtlichen Bereichen des Lebens erfassen und auskosten. Gönnen Sie sich täglich diese paar Minuten ungestörter Ruhe, lassen Sie sich treiben in Losgelöstheit, Sorglosigkeit und Wohlgefühl. Seien Sie selbst Zeuge kleinerer und großer Veränderungen… und Sie werden nie wieder aufhören zu staunen.

 


Abraham-Hicks (2014). „The best way of meditation.” In: YouTube. (Stand: 22.1.2018)

Renger, Almut-Barbara / Christoph Wulf (2013). “Meditation als Lebens- und Erfahrungsform.“ In: Paragrana – Internationale Zeitschrift für Historische Anthropologie 22/2. Berlin: Akademie Verlag, S. 13-25.

Roche, Lorin (2011). “Meditation: Etymology and history.” In: lorinroche.com. (Stand: 22.1.2018)

Seppälä, Emma (2013). „20 scientific reasons to start meditating today.” In: Psychology Today. (Stand: 22.1.2018)

Yates, Culadasa (2017). Handbuch Meditation. München: Arkana.

Lateinisches Online Wörterbuch. In: gottwein.de. (Stand: 22.1.2018)

2 Kommentare

  • Exzellenter Artikel . „Dr. Emma Seppälä“ wie witzig, das dies ein Finnischer Name ist ( Ich weiß sie ist in Amerika,..aber trotzdem) . Was ist deine persönliche Erfahrung mit Meditation ?

    • Sie deckt sich mit all den (von mir wahrnehmbaren) Benefits, die hier beschrieben sind und geht noch darüber hinaus.

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