Tummo-Meditation: Heilung durch „innere Hitze“

Tummo. Mann sitzt auf dem Steg am See und meditiert. Eine Feuerkugel breitet sich über seinen Körper aus.

Sicher haben Sie schon einmal von Wim Hof gehört, dem holländischen „Eismann“, der 20 Guinness Weltrekorde im Ausdauern extremer Temperaturen hält. Er lief u.a. einen Marathon am Polarkreis bei -20 °C in Sandalen, bestieg den Mount Everest bis zur 7.400 m Marke lediglich in Shorts bekleidet und tauchte am Nordpol die längste Distanz, die je ein Mensch unter meterdicken Eisschollen zurücklegte. Doch Hof sieht sich keineswegs als ein Ausnahmetalent. Er sagt: „Was ich kann, kann jeder.“

Was ist Tummo?

Tatsächlich beschränkt sich dieses Phänomen nicht nur auf Wim Hof und einige Eingeweihte aus Indien oder Tibet. Es hat eigentlich eine lange Tradition. Die Rede ist von Tummo, einer fortgeschrittenen, tantrischen Meditationstechnik, die bis heute im Vajrayana-Buddhismus gelehrt wird. Die Praxis gibt es ebenfalls in der Bön-Religion, die bereits vor der Etablierung des Buddhismus in Tibet vorherrschend war.

Aus dem Tibetischen übersetzt, bedeutet Tummo „innere Hitze“ bzw. „inneres Feuer“. Der tibetische Mediziner Tulku Lobsang schlägt eine sinngemäße Übersetzung vor, nach welcher Tum für negative Emotionen steht, Mo für Weisheit. Bis ins 10. Jahrhundert wurde die Technik ausschließlich mündlich tradiert. Erst im 11. Jahrhundert dokumentierte sie der tibetische Meister Nāropa in seinen Sechs Yogas von Nāropa.

Bis dato kursieren Erzählungen über Tummo-Zeremonien im rauen, eiskalten Klima des Himalaya, bei welchen in nasse Laken gekleidete Mönche den Stoff solange zum Dampfen bringen, bis er schließlich ganz trocken ist. Früher oft als Legenden abgestempelt, bestätigen heute zahlreiche Studien den Wahrheitsgehalt dieser Schilderungen.

Wirkungen des Tummo

Tummo hat zahlreiche Effekte, die ihre Wirkung von energetischer Ebene aus sowohl in chemisch-physischer als auch geistig-psychischer Hinsicht entfalten.

Tibetischer Yogi praktiziert sitzend Tummo-Meditation. Entlang seiner Wirbelsäule kursiert Kundalini Energie. Aus seinem Kopf kommen Flammen.

Abbildung:
Tibetischer Mönch praktiziert Tummo
(via Wikimedia Commons)

Chemisch-physische Wirkungen:

  • starke Erhöhung der Körpertemperatur
  • Steigerung des Metabolismus
  • Stärkung und bewusste Kontrolle des Immunsystems
  • Produktion von Glückshormonen

Durch die starke Erhöhung der Körpertemperatur und die Steigerung des Metabolismus ist ebenso mit einer Gewichtsreduktion zu rechnen. Ein berühmtes Beispiel für diese Wirkung von Tummo ist Meister Mozhi: Er konnte mithilfe dieser Technik sein Körpergewicht von 109,5 kg auf 56,5 kg reduzieren.

Geistig-psychische Wirkungen:

  • Auslöschung negativer Emotionen, Gedanken und Überzeugungen durch „Verbrennen“
  • Generierung von Glücksgefühlen
  • Etablierung eines ruhigen und leeren Geistes

Studien

Erhöhung der Körpertemperatur

In der Schulmedizin gilt eine Körpertemperatur zwischen 35,8 und 37,5 °C als gesund bzw. normal. Steigt sie auf Werte um 40 oder 41 °C, wird dies als hohes Fieber kategorisiert und als lebensbedrohlich eingestuft. In früheren Studien konnte mithilfe elektroenzephalografischer Aufzeichnungen (EEG) ein Anstieg der Körpertemperatur auf bis zu 38,3 °C bei Tummo praktizierenden Testpersonen beobachtet werden, und dies lediglich in den Fingern und Zehen. Neuere Untersuchungen hingegen zeigen entscheidend stärkere Temperaturerhöhungen um bis 8,3 °C – also bereits über den kritischen Punkt hohen Fiebers hinaus. Wie wir später sehen werden, sind auch diese Zahlen gering im Vergleich zu dem, was die Tummo-Meister mithilfe der Technik zu erreichen imstande waren.

Steuerung des Immunsystems

An einer weiteren Studie zur Wirkung des Tummo nahm der Holländer Wim Hof teil. In der Vorphase wurde 240 einzelnen Individuen Endotoxin injiziert, welches im Normalfall starke grippenhafte Krankheitssymptome wie Husten, Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen und Erbrechen verursacht. Auch Hof wurde das Mittel verabreicht.

Im Vergleich zu den anderen Testpersonen, zeigte sein Körper deutliche Unterschiede bei der Bekämpfung der Erreger. Durch eine bemerkenswerte Veränderung des Stresshormons Kortisol war Hof in der Lage binnen kürzester Zeit den Krankheitsverlauf zu stoppen. Um den ohnehin schon erstaunten Medizinern zu zeigen, dass seine Immunreaktion keinesfalls eine Ausnahme sei, schlug er vor einer willkürlichen Gruppe in einer Woche Tummo beizubringen. Danach sollte die Studie abermals mit diesen Probanden wiederholt werden.

In der Nachfolgestudie wurde 24 Personen Endotoxin verabreicht. Darunter befanden sich 12 normale Personen sowie 12, mit denen Wim Hof Tummo trainierte. Während die 12 normalen Testpersonen die typischen Krankheitssymptome aufwiesen, waren alle Personen aus Hofs Gruppe in der Lage die Krankheitsreaktion zu unterbinden.

Bei einer anderen, ebenso an Wim Hof durchgeführten Untersuchung, konnten Wissenschaftler nachweisen, dass Tummo nicht nur eine Unterdrückung der Immunreaktion bewirkt, sondern ebenso eine massive Ausschüttung von Adrenalin. Zudem vermag es auch den Metabolismus um 300 % zu steigern!

Technik

Theorie

In einem Artikel des Ehrwürdigen Xiangge Qiongwa IV ist von vier Stufen der Tummo-Meditation die Rede:

Stufe 1: Anfangswärme: Auf diesem Level kann die Körpertemperatur auf Werte zwischen 46 und 54 °C ansteigen. Eine gewisse Heilwirkung wird bereits merkbar, doch sie ist noch nicht so stark ausgeprägt wie in den nachfolgenden Stufen. Stufe 2: Freude aus der Meditationshitze: Hier kann die Körpertemperatur des Praktizierenden bereits Werte zwischen 54 und 66 °C erreichen. Stufe 3: Leere und Existenz bei hoher Temperatur: Auf dieser Stufe steigt die Körpertemperatur auf 66 bis 93 °C an. Für gewöhnlich wird in der Praxis die dabei entstandene Tummo-Hitze in alle Körperregionen geleitet. Stufe 4: Großartige Freude bei äußerster Hitze: Die Körpertemperatur übersteigt 93 °C und die Tummo-Hitze durchdringt den Körper gänzlich. So soll der tibetische Meister Milarepa (1053–1135) imstande gewesen sein, seinen eigenen Körper zu entzünden.

Die Tummo-Meditation erzeugt Wärme im Nabelchakra, von welchem aus sie sich im ganzen Körper verteilt. In einem Artikel von Xiangge Qiongwa IV heißt es, dass durch das Praktizieren von Tummo, ohne Ausnahmen, jede Krankheit vollkommen beseitigt werden kann.

Praxis

Zwei Faktoren sind für die Temperaturerhöhung durch Tummo-Meditation bestimmend: die somatische Komponente, welche Thermogenese bewirkt, sowie die neurokognitive Komponente bzw. konzentrierte Visualisierung.

Die Thermogenese, bei welcher Wärme durch Stoffwechselaktivität produziert wird, wird durch die sogenannte Vasenatmung hervorgerufen. Die konzentrierte Visualisierung hingegen unterstützt die Aufrechterhaltung der höheren Körpertemperatur über längere Zeit hinweg. Bisher durchgeführte Untersuchungen bei Tummo-Praktizierenden zeigen, dass die alleinige Anwendung der Vasenatmung nur eine kurzzeitige Temperaturerhöhung bewirken kann, und dies auch nur im geringen Ausmaß, welches sich im Rahmen der normalen Körpertemperatur bewegt.

Deshalb ist es für den Tummo-Effekt sehr wichtig Atmung und Visualisierung miteinander zu koppeln. Tummo-Praktizierende setzen zu diesem Zweck mentale Bilder ein, die mit Hitze zu tun haben. Sie können sich also beispielsweise Flammen vorstellen, die entlang ihrer Wirbelsäule auflodern usw. Wim Hof meint, dass schon die Konzentration auf einen bestimmten Körperteil ausreicht, um Hitze zu generieren.  Wofür auch immer Sie sich entscheiden: Lassen Sie Ihrer Fantasie einfach freien Lauf!

Und noch eine letzte Anmerkung, bevor wir ganz in die Praxis des Tummo eintauchen: Da sowohl die Vasenatmung als auch Visualisierung viel Konzentration erfordern, empfiehlt es sich die Tummo-Meditation im Sitzen durchzuführen. Dies ist auch deshalb ratsam, da es währenddessen zu Benommenheit kommen kann.

Anleitung zur Tummo-Meditation

Die folgende Anleitung stammt von Wim Hof, der sie unter der Bezeichnung Wim Hof Methode unterrichtet. Die Übung basiert prinzipiell auf einer kontrollierten Hyperventilation. Es ist vollkommen natürlich, dass während dieser Atemübung Benommenheit, Trägheit oder ein Kribbeln auftreten können. Das Kribbeln entsteht durch die erhöhte Sauerstoffzufuhr in den Zellen und im Blut. Außerdem hat diese Art von Atmung eine basische Wirkung auf den Körper. Nicht zuletzt, wird auch ein Stoff namens DMT – Dimethyltryptamin – ausgeschüttet, welcher unter anderem bei Nahtoderfahrungen oder spirituellen Aufwacherlebnissen in riesigen Mengen freigesetzt wird.

~ Es wird empfohlen diese Routine gleich nach dem Aufwachen auszuführen. ~

  • Machen Sie es sich bequem und schließen Sie die Augen.Nehmen Sie eine Haltung ein, die es Ihren Lungen erlaubt sich frei auszudehnen.
  • Aufwärmrunde
    Atmen Sie tief ein, bis Sie einen leichten Druck auf dem Solar Plexus spüren. Halten Sie die Luft für einen Moment an. Dann drücken Sie so viel Luft heraus wie Sie können. Halten Sie wieder einen Moment inne. Wiederholen Sie diesen Vorgang 15 mal.
  • Power-Atemzüge
    Stellen Sie sich nun vor, Sie würden einen Ballon aufblasen. Atmen Sie geräuschvoll durch die Nase so viel Luft wie nur möglich ein und lassen Sie den Atem durch den Mund herausströmen (nicht völlig ausatmen). Das Tempo der Atemzüge sollte zwar schneller, aber auf keinen Fall gehetzt sein. Achten Sie darauf, dass sich Ihr Bauch beim Einatmen nach außen, beim Ausatmen wieder nach innen bewegt. Wiederholen Sie diesen Vorgang 30 mal oder so oft, bis der Körper mit Sauerstoff gesättigt ist.
  • Körper scannen
    Während Sie die Power Atemzüge ausführen, gehen Sie mit Ihrer Aufmerksamkeit tief in Ihren Körper und spüren Sie, welche Körperteile noch mehr Energie benötigen. Stellen Sie sich in diesen Bereichen Wärme vor. Fühlen Sie, wie Wärme Ihren ganzen Körper ausfüllt.
  • Halten
    Im Anschluss an die 30 schnellen Atemzyklen atmen Sie noch einmal so viel Luft ein, wie Sie können. Drücken Sie dann die gesamte Luft heraus und halten Sie das solange Sie können. Wenn Sie das Kinn leicht senken, wird das Wiedereindringen von Luft verhindert. Ihr Körper wird jetzt für eine Weile keinen Sauerstoff benötigen. Entspannen Sie sich und lassen Sie völlig los. Sie werden bemerken, wie sich der Sauerstoff in Ihrem Körper verteilt. Halten Sie diesen luftleeren Zustand solange, bis Sie das Gefühl haben wieder nach Luft schnappen zu müssen.
  • Erholungsatemzug
    Atmen Sie wieder völlig ein und fühlen Sie, wie sich Ihre Brust ausdehnt. Lassen Sie alle Anspannung im Solar Plexus los. Wenn Sie wieder die volle Kapazität erreicht haben, halten Sie den Atem erneut an und bringen Sie Ihr Kinn zur Brust. Halten Sie das für circa 15 Sekunden. Vielleicht bemerken Sie, dass Sie die Energie mit Ihrer Aufmerksamkeit lenken können. Scannen Sie Ihren Körper nach Blockaden und Spannungen ab. Fühlen Sie, wie sich die Blockaden auflösen und Ihr ganzer Körper mit Energie und Licht gefüllt wird.

 


 

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