Heute schon gelacht?

Lachen ist eine körperliche Übung von großem Wert für die Gesundheit. ~ Aristoteles

L a c h e n. Lassen Sie dieses Wort einmal auf sich wirken. Vielleicht steigen in Ihnen Bilder von Babys auf, die herzhaft kreischen und lachen, weil Papa Grimassen schneidet oder der Hund sich wild im Kreis dreht und seinem Schwanz nachjagt. Womöglich fällt Ihnen auch die eine oder andere Situation aus der Schule ein, wo Sie etwas sosehr amüsierte, dass Sie einfach losprusten mussten und durch rein gar nichts aufzuhalten waren. Und wie oft hatten sie schon einen hochroten Kopf und konnten kaum Atem holen, während Sie auf dem Sofa herumrollten und ihren Bauch hielten, weil Ihr Lieblingskomiker wieder einmal mit seiner Pointe voll ins Schwarze getroffen hatte?

Lachen gehört zu unserem natürlichen Verhaltensrepertoire. Wir tun es schon im Mutterbauch. Doch dieser so unschuldig wirkende, unterhaltsame Zeitvertreib, den wir in erster Linie mit Glücklichsein und Ausgelassenheit verbinden, ist für unsere Gesundheit ein unschlagbarer Powercocktail sowie ein Fithalter par excellence.

Da lacht das Herz

Wie der amerikanische Journalist Norman Cousins einst richtig feststellte: „Lachen ist inneres Joggen“. Eines der Organe, das ungemein davon profitiert, ist das Herz (Gendry 2018; MacDonald 2015; Miller & Fry 2009; American Heart Association 2017; Mayo Clinic 2016). Durch die Reduktion der Stresshormone und den Anstieg des „guten“ Cholesterols, auch bekannt als HDL, kommt es zur Regulierung des Blutdrucks. Dieser Effekt kann bereits nach wenigen Minuten Komödiengenuss im signifikanten Ausmaß auftreten und mehrere Tage anhalten (Gendry 2018).

Eine Wohltat für Blutgefäße

Auch die innerste Wandschicht der Blutgefäße (Endothel), die für die Regulation des Blutflusses verantwortlich ist, wird durch das Lachen maßgeblich beeinflusst. Sie weitet das Blutgefäß während des Lachvorgangs, um den Blutfluss zu steigern. Dadurch erhöht sich zwar kurzzeitig der Blutdruck, fällt dann aber wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurück, wenn nicht mehr gelacht wird. Dieser Blutdruckabfall hat nicht nur körperliche Entspannung zufolge, sondern bewirkt zugleich eine tiefere Atmung, was wiederum zur vermehrten Versorgung des Körpers mit sauerstoffreichem Blut führt (Gendry 2018; MacDonald 2015; Miller & Fry 2009; Mayo Clinic 2016). Zum selben Schluss kam auch eine an der Universität von Maryland durchgeführte Studie. Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen unterteilt. Die eine sah sich dramatische Ausschnitte aus dem Kriegsfilm „Der Soldat James Ryan“ an, während sich die andere bei der Komödie „Verrückt nach Mary“ köstlich amüsierte. Die anschließende Untersuchung ergab, dass sich bei den Teilnehmern der ersten Gruppe die Blutgefäße verengt hatten, was auch die Durchblutung abschwächte, während sich bei der „Verrückt nach Mary“-Gruppe die Blutzirkulation deutlich erhöhte, da sich auch das Endothel erweitert hatte (American Heart Association 2017).

Mehr Sauerstoff, bitte!

Wie kurz zuvor erwähnt, ist Lachen eng mit erhöhter Sauerstoffzufuhr verknüpft (Gendry 2016; Mayo Clinic 2016). Diese fördert nicht nur das Atmungssystem und öffnet die Lungen, sondern „lüftet“ auch den Geist, was sich u.a. in einem Gefühl der Leichtigkeit im Kopf, mentaler Frische und einer Hebung der Laune äußert. Und dass die durch das Lachen vermehrte Sauerstoffaufnahme ebenso die Erneuerung von Zellen beschleunigt und somit jünger macht, das Immunsystem in Schwung bringt und die physische Leistung bedeutend steigert, sei hier „nur“ nebenbei als Zusatzanreiz angemerkt.

Rasante Lymphe, starkes Immunsystem

Ein weiterer interessanter und zugleich komplexer Effekt des Lachens hat mit dem Zwerchfell (Diaphragma), dem lymphatischen System und dem Immunsystem zu tun. Während des Lachvorgangs wird genau das richtige Maß an Zwerchfellatmung, bei welcher das Diaphragma schnell hinauf- und hinunterflattert, erreicht, was zum Unterdruck im Brustlymphgang – dem größten Lymphgefäß des Körpers – führt. Unter diesen Umständen weicht die Lymphe automatisch in druckarme Bereiche aus, wobei sie mit bis zu 10 bis 15 mal höherer Geschwindigkeit durch die Lymphgefäße „schießt“. Da nun mehr Lymphe die Lymphknoten passiert, werden mehr weiße Blutzellen (Lymphozyten) bzw. natürliche Killerzellen produziert (Gendry 2017).

Um dieses Zusammenspiel zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, dass das lymphatische System ein höchst effizientes Reinigungsnetzwerk aus sehr feinen Gefäßen ist, welches sich dicht unter der Haut und über den Muskeln erstreckt und zugleich auch das Rückgrat des Immunsystems ist. Die durch das Lachen hervorgerufene Zwerchfellatmung und die daraus resultierende Beschleunigung des Lymphflusses aktiviert also ebenfalls das Immunsystem (ebd.; Doskoch 2016; MacDonald 2015).

Leistungsfähigeres Gehirn

Und wie sollte es auch anders sein, als dass auch unser Gehirn aus dem Lachen Vorteile zieht. Vor allem die Hippocampi wie auch die Mandelkerne (Amygdalae) (siehe Abbildungen 1 und 2) werden durch das Sehen und Hören witziger Inhalte angeregt, wodurch die Speicherung von Informationen im Langzeitgedächtnis verbessert und das emotionale Gedächtnis trainiert wird (MacDonald 2015; Osterath & Schwegler 2011; Rudolph-Müller 2017). Ebenfalls durchläuft unmittelbar nach dem Hören einer Scherzpointe eine elektrische Welle die Großhirnrinde und belebt sämtliche Bereiche, die für psychische Leistungen sowie Erkenntnisprozesse wichtig sind (Centre for human potential 2018).

Hippocampus
Abbildung 1: Hippocampus*
Amygdala
Abbildung 2: Amygdala**

Gut drauf, relaxt und die Ideen sprudeln

Zu den zuvor genannten zahlreichen Vorzügen gesellen sich noch drei wesentliche Aspekte, die derart miteinander verzahnt sind, dass sie am besten gleich in einem Zug besprochen werden sollten: gute Laune, Entspannung und Kreativität.

Bei guter Laune denkt man in erster Linie an einen animierten und fröhlichen psychischen Zustand, doch selbstverständlich geht auch dieser mit physischen Prozessen sowie mannigfaltigen biochemischen Reaktionen einher. So wird bspw. durch Lachen das parasympathische Nervensystem aktiviert, welches dafür sorgt, dass der Körper in den Ruhezustand gelangt und sich erholt. Das äußert sich u.a. in der Senkung der Herzfrequenz, Erweiterung der Blutgefäße, Verlangsamung der Atmung, aber auch der Verdauungsaktivierung(!). Durch dieses Entschleunigen der körperlichen Prozesse werden die „Glückshormone“ Endorphin und Dopamin ausgeschüttet. Erstere wirken euphorisierend, beruhigend, schlaffördernd und immunstärkend. Die zweiteren lassen ein Gefühl von Zufriedenheit und Belohnung aufkommen (Doskoch 2016; Gendry 2017; Prigg 2014; Centre for human potential 2018; Mayo Clinic 2016).

Dem aufmerksamen Leser mag bereits aufgefallen sein, dass die soeben aufgezählten Körperreaktionen ebenso auf den Zustand der Entspannung zutreffen. Dieser umfasst aber nicht nur die damit einhergehende Muskelrelaxation (Doskoch 2016; Mayo Clinic 2016). Lachen reduziert nämlich auch Stresshormone wie Cortisol, lässt die körperlichen Anzeichen von Stress verschwinden und übt uns zugleich darin, sowohl lockerer mit den Situationen des Alltags umzugehen als auch eine optimistische Zukunftsperspektive einzunehmen (Doskoch 2016; Prigg 2014; Centre for human potential 2018). Zudem ist es in diesem Kontext interessant zu erwähnen, dass beim Lachen dieselben Gehirnwellenfrequenzen erzeugt werden wie bei der Meditation (Prigg 2014).

Nicht zuletzt verhilft Lachen auch zu mehr Kreativität und zwar deshalb, weil Humor gewohnte Denkmuster auflockert und eine originelle Sichtweise der Dinge bietet (Doskoch 2016).

So lachen Sie jeden Tag

Lachen

 


*Erstellt von Life Science Databases (LSDB) und bezogen von Wikimedia Commons. Lizenz: CC BY-SA 2.1 jp.

**Erstellt von Life Science Databases (LSDB) und bezogen von Wikimedia Commons. Lizenz: CC BY-SA 2.1 jp.

Doskoch, Peter (2016). “Happily ever laughter.“ In: Psychology Today. (Stand: 16.2.2018)

Gendry, Sebastien (2018). „Why laughter is good for the cardiovascular system.” In: Laughter Online University. (Stand: 16.2.2018)

Gendry, Sebastien (2017). “Why laughter is good for the immune system, opens inner cellular pharmacy.” In: Laughter Online University. (Stand: 16.2.2018)

Gendry, Sebastien (2016). “Why laughter is good for the respiratory system, opens lungs, ventilates spirit.” In: Laughter Online University. (Stand: 16.2.2018)

MacDonald, Fiona (2015). “Watch: Here’s what happens to your brain when you laugh.” In: Science Alert. (Stand: 16.2.2018)

Miller, Michael / William Fry (2009). „The effect of mirthful laughter on the human cardiovascular system.” In: Med Hypotheses 73/5, S. 636.

Osterath, Brigitte / Herbert Schwegler (2011). „Amygdala.“ In: dasgehirn.info. (Stand: 16.2.2018)

Prigg, Mark (2014). “Laughing puts the brain into a ‘true meditative state’ and can improve your memory, researchers claim.” In: Daily Mail Online. (Stand: 16.2.2018)

Rudolf-Müller, Eva (2017). “Hippocampus.” In: NetDoktor. (Stand: 16.2.2018)

“Humor helps your heart? How?” (2017). In: American Heart Association. (Stand: 16.2.2018)

“Laughter and how it can improve your mood.” (2014). In: Centre for human potential. (Stand: 16.2.2018)

“Stress relief from laughter? It’s no joke.” (2016). In: Mayo Clinic. (Stand: 16.2.2018)

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